Massenhaft Hühner, einsame Hacker

Eindrücke von den „Filmtagen“ in Gerbrunn

Wie kommt man dazu, an einem Samstagnachmittag einen Prof. Dr. Scientius und einen Kardinal Johann IV. aus sich zu machen? Und sich in diesen Rollen dann auch noch einen erbitterten Streit über die Existenz einer höheren Macht zu liefern? Ganz einfach, es geht darum, verschiedene Figuren mit einem „Want“ und einem „Need“ sowie mit einem klar ausgearbeiteten Konflikt zu entwickeln – denn ohne solche Figuren geht es im Filmbusiness nicht. Darum und um die Regeln der Dramaturgie ging es im Workshop „Die Grundlagen filmischen Erzählens“ bei den „39. Filmtagen bayerischer Schulen“ in Gerbrunn bei Würzburg.

Als die elf Workshops auf dem zweitägigen Filmfestival anliefen, waren bereits 58 Filme von Schülern aller Schularten aus ganz Bayern über die Leinwand geflimmert. Während die Jury tagte, gab es für die etwa 350 Gäste viel zu lernen über Inhalte und Techniken des Filmemachens. Die Jury hatte es gleichzeitig sicher ganz schön schwer. Uns zumindest fiel auf: In den gezeigten Arbeiten waren die schauspielerischen Leistungen vielfach hervorragend, man konnte tolle Kameraführung beobachten, die Filmmusik war ganz oft selbst produziert, Musikvideos waren geradezu ein eigenes Genre – kurz: wir konnten beim Zugucken unendlich viel lernen.


Um einiges herauszuheben: Ein Film etwa bestand nur aus den Statements etlicher Zwölfjähriger, die vor einem schwarzen Hintergrund sitzend ihre Gedanken zur Natur, deren Gefährdung und unserer Verantwortung ihr gegenüber schilderten. Ihre Ernsthaftigkeit war ganz besonders präsent. Aber auch jüngere Filmemacher waren vertreten, so wie etwa eine Grundschulklasse, die mit Legetrickfilm über die Massentierhaltung von Hühnern aufklärte. Besonderen Mut bewiesen die Oberstufenschülerinnen, die ein weibliches Paar in ihrer erotischen Annäherung schilderten. Man war immer neu beeindruckt, zu welchen Leistungen die Teilnehmer von Filmgruppen fähig sind.

Besonders fasziniert waren Publikum und Jury von dem Film über ein Mädchen, das seine Langeweile und Einsamkeit bekämpft, indem es sich in die Smartphones seiner Mitschüler hackt. Das ermöglicht ihr zum ersten Mal, wirklich bedeutsam zu werden, indem sie Beziehungen zerstört und ihre Mitmenschen wie Marionetten lenkt. An der um sich greifenden Verunsicherung und Atmosphäre der Angst findet sie zwar nicht wirklich Freude – doch eine Identität als Außenseiterin vermittelt ihr dies Tun allemal. Bedrückend, beängstigend und erschreckend aktuell.

Insgesamt war es ein erlebnisreiches Event, auf dem Kontakte zwischen gleich interessierten Schülern geknüpft werden konnten, nicht zuletzt bei der nächtlichen Schwimmbadparty. Außerdem fand so der im letzten Schuljahr im Deutschunterricht von Frau Dr. Völker-Rasor entstandene Film „Warten“ ein großes Publikum. Frau Kranz danken wir, dass sie zusätzlich als schulische Begleitung mit dabei war. Unseren Gastgebern in Gerbrunn, die für den Samstagabend sogar einen echten Regisseur, Norbert Lechner, mit seinem Film „Ente gut “ eingeladen hatten, danken wir für die ebenso perfekte wie liebevoll vorbereitete Ausrichtung des Festivals.

Tobias Breuer, Niklaus Höfter, Hannah Hoffmann, Samer Kayali, Jakob Ohage, Jonathan Proksch, Sebastian Proksch, Felicia Rüth aus 9./10./11. Klasse.

Ein Gedanke zu “Massenhaft Hühner, einsame Hacker

  1. Heiner Grupp schreibt:

    Gratulation! Ein wirklich gelungener Artikel, informativ und kurzweilig. Man kann sich sehr gut vorstellen, dass ihr dort großen Spaß hattet, aber auch tolle Erfahrungen gesammelt habt.
    Weiter so!

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