Heinrich Campendonk – vor seiner Ankunft in Penzberg 1911

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Mathias Heinrich Ernst Campendonk wurde am 3.November 1889 in Krefeld geboren und hatte schon als Kind die Absicht, Maler zu werden. Er bekam als Heranwachsender wenig Zuneigung von seinen Eltern, die Familie lebte zudem in bescheidenen Verhältnissen. Seine Eltern begegneten seinem Vorhaben, eine Kunstgewerbeschule besuchen zu wollen, mit Misstrauen. Durch eine glückliche Fügung gab sein Vater schließlich aber doch sein Einverständnis, machte ihm aber zur Pflicht, in jeder freien Minute in seinem Agenturgeschäft Hilfsdienste zu leisten.

Glücklich trat Heinrich Campendonk  1904 der Kunstgewerbeschule Krefeld bei und traf dort auf den Künstler Johan Thorn Prikker. Prikker lehrte ihn viel über Naturmalerei und gab ihm so ein wichtiges Fundament für seine spätere Lebenszeit. Er erlangte durch sein zweijähriges Elementarstudium einen gewissen Grad an Persönlichkeit für seine Malerei. Als im Frühjahr 1908 die Geschäfte seines Vaters anfingen, nicht mehr so gut zu laufen, wollte sein Vater das Studium nicht mehr finanzieren. Campendonks Lehrer konnte es zwar noch herauszögern, aber der Junge sollte die Schule nur noch für einige Monate besuchen.

In den Sommerferien 1908 mietete Campendonk mit einem Studienfreund ein Atelier, einen Raum in einer Gärtnerei am Stadtrand. Im Herbst endete für die zwei die Idylle, aber Campendonk hatte Glück und erhielt, ohne sich zu bewerben, einen Auftrag, bei dem er auch noch die volle Freiheit hatte, was er malen wollte. Doch sein Leben war schwer und er musste sich unterernährt, seelisch bedrückt, in materieller Not und mit Vorwürfen des Vaters durch das Jahr 1909 durchschlagen. Im November nahm ein Freund einige seiner Werke mit dem Versprechen mit, sie in Berliner Künstlerkreisen bekannt zu machen. Von zwei Freunden wurde er auch aufgefordert, ein paar seiner Arbeiten zu ihnen nach Tegernsee zu schicken, wo seine Arbeiten auch von Franz Marc (1880-1916) gesehen wurden.

Im April 1910 nahm er ein Angebot als Wandmalergehilfe an und arbeitete so an der Wandbemalung des Osnabrückers Dom mit. Im Oktober aber kehrte er nach Krefeld zurück, weil er sich mit dem Kirchenmaler nicht mehr verstand. Campendonk hielt sich mit kleineren Malaufträgen über Wasser und mietete sich einen  großen Arbeitsraum, um ihn als Atelier zu nutzen. Das Jahr 1911 begann für ihn wieder mit argen Geldnöten. Er bekam die Chance, ein paar seiner Werke in einer Ausstellung auszustellen, hatte aber keinen Erfolg. Trotzdem blieb er zuversichtlich.

In einer Ausstellung im nächsten Jahr sollte ein ganzer Raum für ihn und einen Künstlerkollegen reserviert werden und auch Franz Marc meldete sich wieder mit dem Wunsch nach mehr Bildern. Außerdem wollte Franz Marc ihm Geld für eine Reise nach München beschaffen. Dazu kam noch, dass sein Freund Wassily Kandinsky (1866-1944) den Krefelder Museumsdirektor auf Campendonk aufmerksam gemacht hatte. Trotzdem war im Spätsommer 1911 seine Notlage weiterhin sehr groß, da es keine Verdienstmöglichkeiten für ihn gab.

In dieser Situation empfahl Kandinsky Campendonk einem Freund, einem Bankier und Kunstsammler, der auch zwei seiner Werke kaufte. Mit dem Geld der Bildverkäufe zahlte er seine Fahrt nach München zu Franz Marc, da er das als einzigen Ausweg aus seiner Misere sah. In München angekommen besuchte er Kandinsky, dann fuhr er weiter nach Penzberg, wo er sich mit Franz Marc traf. Der wohnte in einem Bauernhaus in Sindelsdorf. Campendonk blieb bei ihm und malte dort sehr viel. Er verkaufte wieder mehr Bilder und seine Bilder wurde dann im Dezember 1911 in der berühmten Ausstellung „Der blaue Reiter“ ausgestellt.

Wie sich Campendonk in den darauf folgenden zehn Jahren in Penzberg und Umgebung zu einem bedeutenden Künstler entwickelte, kann man im neuen „Museum Penzberg – Sammlung Campendonk“ sehen. Die Übersicht über seine jungen Jahre wurde nach den Angaben in den Katalogen dort erstellt.

Ben Wehrberger, 9D

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