Ständig verschickt: Emojis

Untersuchungen der 9D zum Aussagewert dieser neuen Universalsprache

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Die Nachrichten, die wir uns heute gegenseitig ständig schicken, werden immer kürzer und enthalten oft so wenige Worte, dass das, was nicht mehr gesagt wird, mit sogenannten Emojis ersetzt wird. Deren Anzahl nimmt in unseren Nachrichten immer mehr zu. Man will mit ihnen Gefühle ausdrücken oder Aussagen verdeutlichen.

Doch wie verständlich sind sie? Wie eindeutig versteht der Empfänger, was der Absender vermitteln will? Im Deutschunterricht haben wir uns mit diesen Fragen befasst. Denn es sieht so aus, als ob wir Jugendlichen uns an eine neue digitale Weltsprache gewöhnen würden. Doch es fragt sich, ob die Emojis dafür wirklich das Potenzial haben. Um das herauszubekommen, haben wir ein Experiment gemacht.

Wir haben bei den Gefühlen angesetzt und uns als erstes überlegt, was eigentlich unsere Grundemotionen sind. Dabei sind wir auf Freude, Trauer, Wut und Angst gekommen. Wir haben verschiedene Körperhaltungen zu den einzelnen Gefühlen nachgeahmt und sind so jeweils auf zwei konkrete Beispiele gekommen, bei denen man sich so fühlt. Für Freude waren es Ferien oder gutes Essen, für Trauer der Verlust eines Menschen oder eines Objekts, für Wut der Ärger über Eltern oder über eine Ungerechtigkeit, für Angst die vor Schulaufgaben oder auch vor Terroranschlägen.

Zu der Frage, ob es möglich wäre, dass Emojis eine neue Universalsprache werden könnten, haben wir uns gedacht, dass es bei Nachrichten immer einen Sender und einen Empfänger gibt. In Gesprächen kann man Informationen, Reaktionen, Meinungen oder eben auch Gefühle und vieles anderes mehr ausdrücken. Die Nachrichten aber sollten immer eindeutig sein. Um das für Emojis zu überprüfen, haben wir auf einem Blatt mit vielen verschiedenen Emojis die eingekreist, die zu dem konkreten Beispiel für eines der vier Gefühle gepasst haben.

Zuhause haben wir die ausgewählten Emojis mit Worten beschrieben, d.h. wir haben zu dem Beispiel einen Text in Form einer Whats-App-Nachricht verfasst, wie wir sie sonst Freunden schicken würden. In der darauf folgenden Deutschstunde haben wir verschiedene Gruppen gebildet, in denen wir unsere Emoji-Blätter ausgetauscht haben, um jeweils über die eingekreisten Symbole von einem anderen einen kurzen Text zu schreiben. Nachdem wir je vier Zettel mit eigenen Nachrichten und mit Texten für andere hatten, haben wir die Varianten miteinander verglichen.

Erst hat einer vorgelesen, was er unter der Emoji-Auswahl eines anderen verstanden hat, dann hat der andere seinen ursprünglichen Text vorgelesen. Danach haben wir auch noch festgehalten, wie viele und welche verschiedenen Emojis für ein Beispiel von allen ausgewählt worden waren und dazu eine kleine Statistik angelegt. Und nach der ganzen Vorarbeit mit dem Ausdrücken von eigenen Gefühlen und der Deutung der Gefühle von anderen sind wir schließlich zu einigen interessanten Beobachtungen gekommen.

Der Sender will durch seine Nachricht oft andere Inhalte ausdrücken, als der Empfänger registriert. Außerdem können durch Emojis unklare Aussagen getroffen werden. Meistens stimmen die Aussage und das Verstandene nur teilweise überein oder gar nicht. So hat zum Beispiel jemand die Angst vor einer Schulaufgabe so gedeutet: „Die ist ja schon morgen! Ich habe noch gar nichts gelernt! Das ist ja erschreckend!“. Der Absender aber meinte nur: „Morgen überhaupt keinen Bock auf Schulaufgabe.“ Nur einmal ist es vorgekommen, dass die Aussage komplett verstanden worden ist. Daraus kann man schließen, dass einfach zu viele verschiedene Deutungen möglich sind. Außerdem sind die Gefühle durch die Emojis nicht konkret erfassbar. Ein weiteres Ergebnis ist schließlich noch gewesen, dass oft Gefühle in einer anderen Intensität, also stärker oder schwächer, aufgenommen werden, als es der Sender gemeint hat.

In der Klasse sind wir so zu dem Schluss gekommen, dass Emojis witzige Begleiterscheinungen einer Nachricht sein können, aber nicht alleine für sie stehen können. Sie sind zu unklar, als dass sie alleine etwas aussagen könnten. Sie können kleinere Gefühlsbewegungen ausdrücken, aber als alleiniger Überbringer von Nachrichten und Gefühlen taugen sie nicht.

Als neue Universalsprache werden sich Emojis also wohl kaum durchsetzen, es sei denn, es werden künftig aussagekräftigere Symbole entwickelt. Solange Emojis aber so wie heute noch nicht ausgereift sind, sollten Gefühle und andere Nachrichten in ausreichend viele Worte gefasst werden. Überwiegen sollten sie in Nachrichten jedenfalls nicht.

Klasse 9D

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