Erfahrungen in Südafrika

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Von Januar bis Ende März habe ich meine Verwandtschaft in Kapstadt/Südafrika besucht. Nachdem mich die Hitze kurz nach meiner Ankunft fast erschlagen hatte, besuchte ich „The Academy Hout Bay“, welche ca. 15 min von Kapstadt-City entfernt lag. Die Schule war ganz anders als das bei uns gewohnte Gymnasium. Wir hatten weder Anwesenheitspflicht noch Handyverbot. Neues wurde ausschließlich über die Internetseite „Colls“, welche von den Lehrern wöchentlich aktualisiert und geführt wurde, vermittelt. Hierbei ist zu erwähnen, dass das Schulsystem auf dem englischen Cambridge-System beruht und es sich um eine Privatschule handelt. Meine ersten Erfahrungen waren nur positiver Natur und ich hatte Glück mit dem Wetter, das heißt 25-30°C.

Nach ein paar Tagen bemerkte ich aber trotzdem die Schattenseiten Südafrikas, ich sah die Townships und spürte die immer noch bestehende unterschwellige Segregation. Auf meinem Schulweg – natürlich legte ich diesen aus Sicherheitsgründen mit dem Auto zurück – kam ich jeden Tag am örtlichen Township vorbei. Das Township Imizamo Yethu beherbergt 33.000 von den 51.000 Einwohnern aus Hout Bay auf 18 Hektar Fläche. Die Menschen leben ohne Abwassersystem und alle Fäkalien werden direkt in den Disa River geleitet, welcher die höchste e.colibakterien-Dichte in ganz Südafrika aufweist und direkt in den Südatlantik weitergeleitet wird.

Zur fortbestehenden Trennung der weißen und schwarzen Bevölkerung lässt sich nicht viel sagen, da sie lange nicht mehr so stark ausgeprägt ist wie zu Zeiten der Apartheid, dennoch gab es für mich kleine Anhaltspunkte, welche mir ins Auge fielen. Zum Beispiel ist die weiße Minderheit (Gated Community) vor allem unter sich. Bei vielen Housepartys waren hauptsächlich die weißen fünf Prozent der südafrikanischen Bevölkerung vertreten. Auch viele Supermärkte wurden fast ausschließlich von Weißen genutzt. Natürlich lässt sich vieles davon auch auf die immer größer werdende Kluft zwischen Arm und Reich zurückführen, dennoch wurde man oft schief angeschaut, wenn man beispielsweise als Weißer ein „Schwarzen“-Taxi benutzte.

Kriminalität spielt in Südafrika bzw. in größeren Städten eine entscheidende Rolle. Wie schon anfangs erwähnt beginnt es schon beim Schulweg oder allgemein bei der Fortbewegung. Viele Distanzen – und seien sie noch so klein – wurden bzw. konnten nur mit dem Auto oder dem Uber zurückgelegt werden. Ein Uber ist eine Art Taxi, bei welchem direkt von der Kreditkarte bezahlt wird, um Bargeld und somit die Gefahr eines Überfalls zu reduzieren. Auch sollte man sich als Weißer zu bestimmten Uhrzeiten nicht mehr unbedingt in unbelebteren Straßen in der Innenstadt aufhalten.

Doch natürlich hat Südafrika auch unglaublich viele positive Facetten. Das Landesmotto, Unity in Diversiy, was soviel heißt wie „Zusammenhalt trotz Vielfalt“, spiegelt die Offenheit der südafrikanischen Bevölkerung bezüglich Religion, Sexualität und Kultur wieder. Das Südafrikanische Parlament ermöglicht es Homosexuellen beispielsweise schon seit 2006 und somit als erstes afrikanisches und weltweit fünftes Land zu heiraten. Außerdem hat das Land mit 54.000.000 Einwohnern elf offizielle Amtssprachen.

Touristisch kann Südafrika auch sehr viel bieten. Abgesehen von den großartigen Nationalparks im Osten, in welchen man die „Big Five“ bestaunen kann, sind auch der Tafelberg und das Kap der guten Hoffnung Orte, um die Seele baumeln zu lassen. Ein Bild aus dem Krüger-Nationalpark zeigt das. Ich habe den Tafelberg bewandert und die Fluten am Kap der guten Hoffnung bestaunt und natürlich auch einige für Europäer exotische Tierarten bewundern dürfen.

Als Fazit kann ich sagen, dass mein Auslandsaufenthalt mich nicht nur in Sachen Sprache weitergebracht hat, sondern dass ich nun das Privileg genieße, viel über die südafrikanische Kultur zu wissen und daraus zu lernen.

Max, 10. Jahrgangsstufe

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