Ein Interview mit der Leiterin der Stadtbücherei, Frau Katrin Fügener

Flüchtlinge in unserer Stadt

Jeden Tag kommen neue Flüchtlinge in deutschen Städten an, so auch in Penzberg. Doch die Unterkünfte sind voll. Es ist schwer, für genügend Platz zu sorgen. Im Gespräch mit Frau Katrin Fügener, der Leiterin unserer städtischen Bücherei und der Initiatorin des „Café International“, klärt die Schülerzeitung einige Fragen in Bezug auf die Situation, die in Penzberg mit den Flüchtlingen vorliegt.

Schülerzeitung: Wie lange ist das Thema „Flüchtlinge“ und das Zusammenleben verschiedener Nationen in Penzberg schon aktuell ?

Frau Fügener: Nach den Jugoslawien-Kriegen gab es in Penzberg schon einmal eine Flüchtlingsunterkunft. Seit Jahren arbeiten wir an dem Thema „Multikulturelle Gesellschaft“. So gab es vor sieben Jahren eine Ausstellung im Penzberger Stadtmuseum mit dem Titel „Eine Stadt, 74 Nationen“.

Schülerzeitung: Woher kommen die Flüchtlinge, die hier in Penzberg untergebracht sind oder waren?

Frau Fügener: Zur Zeit haben wir in den dauerhaften Unterkünften etwa 40 Männer und sieben Familien. Sie kommen zum einen aus Afrika, in dem Fall aus dem Senegal, aus Nigeria und aus Eritrea. Zum anderen haben wir Flüchtlinge aus Syrien sowie aus Pakistan und Afghanistan. Von den Syrern sind die meisten schon anerkannt, bei ihnen geht das im Vergleich zu allen anderen rasch.

Schülerzeitung: Wie läuft ein Erstaufnahmeverfahren ab?

Frau Fügener: Die Flüchtlinge, die an der Grenze in Empfang genommen wurden, werden in den Erstaufnahmestätten registriert, untersucht und möglicherweise mit Kleidung ausgestattet. Dann werden sie weiter verteilt auf die Landkreise, die Gemeinschaftsunterkünfte angemietet haben.

Schülerzeitung: Gab es in der Josef-Boos-Halle größere Auseinandersetzungen?

Frau Fügener: Das war in den letzten Monaten eine Notunterkunft als Zweigstelle der Erstaufnahme in München. Natürlich gab es da Streitereien. Das ist aber verständlich, wenn man bedenkt, wie viele oft junge Männer aus den verschiedensten Ländern dort auf engstem Raum ohne Privatsphäre, Arbeit oder eine sonstige sinnvolle Beschäftigung und mit oft traumatischen Fluchterlebnissen zusammenleben müssen.

Schülerzeitung: Besteht für die Flüchtlinge die Gefahr der Abschiebung?

Frau Fügener: Ja, die besteht allerdings. Derzeit werden etwa 35% der Asylanträge abgelehnt, so sagen es die Zahlen des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BaMF).

Schülerzeitung: Kann man sich in Penzberg von Stadt und Bürgern noch mehr Unterstützung wünschen?

Frau Fügener: Also, ich persönlich bin sehr zufrieden. Mit dem Thema Integration ist in Penzberg schon immer sehr positiv umgegangen worden und das Zusammenhelfen der Penzberger Bürger ist noch besser geworden. Allerdings ist inzwischen die Zahl der hier angekommenen Asylbewerber stark gestiegen. Um sie in unsere Kultur einzuführen und damit Integration gelingen kann, brauchen wir jetzt und in der Zukunft aber noch deutlich mehr Unterstützer für die vielfältigsten Aufgaben, etwa für die Hilfe im Alltag oder für Sprachkurse. Auch Schülern können diese Aufgaben sehr viel Spaß machen. Sie wie alle anderen Interessierten können sich beim „Unterstützerkreis Penzberg Asyl“ melden. Näheres erfährt man in der Begegnungsstätte in der Rathauspassage.

Schülerzeitung: Vielen Dank für Ihre Auskünfte.

Luna Wand und Svenja Engel, 9D

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