Schule – und was danach ?

Zu Besuch im Berufsorientierungscafé

 

Diese Woche, am 27. 1. 2016, besuchte die Klasse 10A im Rahmen des Schulunterrichts das Berufsorientierungscafé, das von der Initiative „Fit für den Beruf“ alle zwei Wochen in der Cafeteria der Moschee veranstaltet wird. Es waren Schüler aus der 9D sowie aus der 10A anwesend, insgesamt ca. 35 Personen. An diesem Mittwoch freuten wir uns darauf, den Beruf des Richters genauer kennenzulernen.

 

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Zu Gast war Herr Gerhard Gäbhard eingeladen, der seit einem Jahr am Oberlandesgericht München tätig ist und davor 18 Jahre lang am Amtsgericht Fürstenfeldbruck gearbeitet hat.

Da er in einer Juristenfamilie aufwuchs – Vater: Richter, Mutter: Staatsanwältin – war sein Berufsweg von Anfang an vorgezeichnet, wie er sagte. Um aber den Beruf ergreifen zu können, absolvierte er ein Studium in Jura. Ein Latinum ist dafür nicht mehr erforderlich. Darauf folgte eine Referendarzeit, in der er in der Praxis ausgebildet wurde. Bekanntlich muss man für so ein Studium sehr viel lernen. Herr Gäbhard wies aber darauf hin, dass man bei beiden Examen die Gesetzestexte verwenden darf, einen „legalen Spicker“. Nach zwei erfolgreich abgelegten Staatsexamina bewarb er sich beim Justizministerium als Richter.

Wir bekamen Einblicke in Strafrecht und Zivilrecht, außerdem erklärte Herr Gäbhard uns, dass man als Richter keinen Vorgesetzten hat und die Gesetze individuell auslegen kann, da das deutsche Gesetz sehr kompliziert geschrieben ist. Die Arbeitszeit ist frei einteilbar, die Arbeit bedarf aber jeder Menge Selbstdisziplin. Zur Zeit arbeitet Herr Gäbhard an ca. 40 verschiedenen Fällen.

Ein sehr wichtiger Aspekt, um den Beruf überhaupt ausüben zu können, ist die klare Trennung von Beruf und Privatleben, sagte Gäbhard, denn es gibt Fälle, die viel psychische Stärke und Distanz voraussetzen, da sonst das Urteilsvermögen eingeschränkt sein kann. Dies gilt besonders bei Fällen, die mit Mord oder Familienstreitigkeiten zu tun haben.

Er schilderte uns auch einen seiner offenen Fälle, bei dem ein junger Mann von einem Zug überrollt, aber nicht getötet wurde. Hier geht es um die Frage, ob die Unfallversicherung verpflichtet ist, ihm Geld zu zahlen, oder ob es sich um einen Suizidversuch gehandelt haben könnte. Bei solchen Fällen sollte man immer Geduld als Charaktereigenschaft aufweisen können und ein ruhiges Gemüt haben. Aber am allerwichtigsten ist es, keine voreiligen Schlüsse zu ziehen. Im Umgang mit Menschen sollte man sehr gewandt sein, wenn man Richter werden will.

Herr Gäbhard gab uns auch den Hinweis, dass es jederzeit möglich sei, bei Gerichten um ein Praktikum anzufragen. Als noch die Frage zu den Gerichts-Fernsehshows aufkam, konnte er uns sagen, dass diese alle gespielt seien, aber dass Alexander Hold, der wohl bekannteste Fernsehrichter, früher im Allgäu als Anwalt tätig war.

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Kilian Zimmermann 10a

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