Ertrunkene Kinder, verschüttete Bergsteiger, zerbombte Dörfer

Sollten Fotos und Filme von dramatischen Ereignissen veröffentlicht werden?

bild_zu_artikel_13_01_2016

In letzter Zeit werden immer öfter Bilder und Filme von schrecklichen Ereignissen veröffentlicht. Ein Ereignis, das wahrscheinlich niemand vergessen wird, ist die schlimm ausgegangene Überfahrt über das Mittelmeer, bei der der dreijährige Flüchtlingsjunge Aylan ertrank und an der türkischen Küste angespült wurde. Sein Vater überlebte mit großem Trauma. Gerade bei solchen entsetzlichen Ereignissen fragt man sich manchmal, ob die Veröffentlichung von derartigem Foto- und Videomaterial noch human ist, wenn gezeigt wird, wie Menschen, darunter auch Kinder, zu Schaden kommen.
Es gibt sowohl Argumente für das Veröffentlichen von derartigem Material als auch welche dagegen. Deswegen ist jedem seine Meinung selbst überlassen. Wir wollen einige Punkte, die zur Bildung einer eigenen Meinung beitragen können, hier festhalten.
Zum einen wird solches Material als Zeichen des Überlebens und der Verbundenheit veröffentlicht. So hat zum Beispiel der deutsche Bergsteiger Jost Kobusch, der das millionenfach geklickte Video vom Erdbeben im Base Camp des Mount Everest auf YouTube gestellt hat, in einem Interview in der „Süddeutschen Zeitung“ erklärt, dass das Video für seine Gruppe ein Zeichen des Überlebens gewesen sei (vgl. SZ 255, 5. 11. 2015, S. 38). Für manchen spielt es aber vielleicht auch eine Rolle, dass man durch die Veröffentlichung solcher Materialien sowohl Geld als auch Berühmtheit erlangen kann. So hat Jost Kobusch durch die Klicks auch viel Geld verdient und ist nun sehr berühmt. Das wichtigste Argument dafür ist aber, dass die Öffentlichkeit durch derartige Materialien aufgerüttelt und über Probleme und Ereignisse in Krisengebieten informiert wird. Beispielsweise ist durch das Foto mit dem toten Flüchtlingsjungen die Weltbevölkerung über die ernste Lage der Flüchtlingskrise in Europa wachgerüttelt worden.


Trotz all dieser positiven Aspekte gibt es natürlich auch Argumente, die gegen eine Veröffentlichung der Bilder und Filme von dramatischen Ereignissen sprechen.
Als erstes denkt man daran, dass man als derjenige, der am Unglücksort ist, eher Erste Hilfe leisten sollte als schaulustig gestrandete Flüchtlinge zu fotografieren oder eine Lawinenlandschaft zu filmen. Dazu kommt, dass Kinder und Jugendliche, die das Material sehen, schockiert werden und auch die Geschädigten selbst immer wieder an das dramatische Ereignis erinnert werden. Dies bestätigt das traurige Schicksal des jungen Asylbewerbers und Vaters Adnan Ghnema. Er musste durch ein auf Facebook veröffentlichtes Video erfahren, dass seine geliebte Frau und seine Nichte, bei einem Bombenanschlag auf den Ort, wo seine Familie in Syrien untergebracht ist, ums Leben gekommen sind. Seine beiden Kinder überlebten mit schweren Verletzungen. Die Süddeutsche Zeitung bemerkt, dass es Bilder sind, die Ghnema nicht mehr loslassen, die ihn Tag und Nacht verfolgen werden ( vgl. SZ 294, 21.12.16, S.6). Schließlich geht es auch um Abbildungsrechte und Respekt. Wenn auf derartige Fotos oder Videos Menschen gezeigt werden, die geschädigt worden sind oder sogar ihr Leben verloren haben, dann haben sie keinen Einfluss darauf, ob dieses Material veröffentlicht wird. Bei dem Erdbeben, von dem oben die Rede gewesen ist, sind allein achtzehn Menschen gestorben.
In dieser Angelegenheit gibt es kein richtig oder falsch!
Jeder muss sich ein eigenes Urteil bilden!
Wir hoffen, dass Euch dieser Artikel auch zum Nachdenken angeregt hat.
Björn Marschall und Felicia Rüth 9D

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