Augen auf für Deinen Nebenmann!

Wie man allein mit Aufmerksamkeit schon helfen kann

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Jeden Dienstag treffen wir uns mit jungen Asylbewerbern aus dem Senegal in der Begegnungsstätte in der Rathauspassage. Dabei sprechen wir über Dinge aus dem täglichen Leben. Als jetzt zwei von uns loszogen, um dies auch praktisch anzuwenden, machten sie eine seltsame Erfahrung, die wir für die beiden aufgeschrieben haben.

Wir saßen noch alle in kleinen Gruppen an den Tischen, als die beiden aufgeregt zurück in die Begegnungsstätte kamen. Unsere Schulkameradin erzählte:
„Ich wollte N.N.* beibringen, wie man sich beim Einkaufen verhält. Ich hatte ihm vorher hilfreiche Ausdrücke beigebracht und außerdem, wie man seine Ausgaben berechnet. Währenddessen kam mir die Idee, das theoretisch Erlernte sofort praktisch anzuwenden. Also machten wir uns kurzerhand auf den Weg zu einem Geschäft in der Nähe, um eine Kleinigkeit zu kaufen. Ich bezahlte zuerst und bekam mein Wechselgeld, obwohl es ein krummer Betrag war, richtig zurück. Anschließend wollte N.N. eine Packung Pfefferminz für € 1,95 mit einem Zehneuroschein bezahlen. Er bekam aber nur fünf Cent zurück. Als ich die Kassiererin darauf ansprach, schaute sie mich nur unschuldig an. Daraufhin wiederholte ich, dass dem Asylbewerber noch € 8,- Wechselgeld fehlten. Die Antwort der Kassiererin lautete: „Davon weiß ich jetzt nichts!“ Also erklärte ich ihr, dass er, da er mit einem Zehneuroschein bezahlt hatte, noch die restlichen € 8,- bekommen müsste. Erst nachdem ich sie aufforderte, mir den Kassenbon zu zeigen, gab sie ihm kleinlaut die fehlenden € 8,- heraus.“
Als wir diese Geschichte hörten, waren wir alle entrüstet. Aber es ist egal, ob jemand wirklich etwas Schlechtes im Sinn hat oder sich nur vertan hat: Wir können denen, die neu bei uns sind, schon damit helfen, wenn wir alle nur die Augen für sie mit aufhalten. Und wenn wir dann auch für sie eintreten wie unsere Schulkameradin.

* N.N. steht für „nomen nominandum“, lat., „Name, der noch zu nennen ist“ – wir wollen in diesem Artikel keine Namen nennen.

Katharina Peuker, 10A und Frederic Rasor, 9E

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