„Wer viel Gepäck hat, der hat auch viele Probleme.“

Erste Eindrücke von Asylbewerbern aus dem Senegal

Konversationskreis

Im Oktober haben sich drei Wochen lang drei Schüler aus der Klasse 9D beim Konversationskreis in der Moschee mit Flüchtlingen aus dem Senegal unterhalten und ihnen Fragen über Land und Leute gestellt. Die Menschen, die geflüchtet sind, haben nichts aus ihrer Heimat mitgenommen. Aber sie haben viel zu erzählen.

Der Senegal ist ein Land in Westafrika. Dort ist es wie zu erwarten sehr warm, nachts 26 Grad, tagsüber mehr als 33 Grad. Aber je näher man am Wasser lebt, desto kühler ist es. Die Hauptstadt ist Dakar, das nahe der Küste liegt. Mitten in das Land ragt ein anderes Land hinein, Gambia.
Von den Menschen sind etwa 96% Muslime, 3% Christen und 1% andere. Im Senegal werden mehr als 20 Sprachen gesprochen, die alle sehr verschieden sind, doch die Hauptsprache ist Wolof, und diese versteht eigentlich jeder. Die offizielle Sprache ist Französisch. Man lernt sie zuerst in der Schule. Im Senegal gibt es auch eine Schulpflicht, aber nicht so streng wie in Deutschland. Wenn die Eltern nicht wollen, dass man zur Schule geht, weil sie einen zum Beispiel auf dem Hof brauchen, dann können die Kinder auch zuhause bleiben.
Meistens ist das, was man im Fernsehen von Afrika zu sehen bekommt, nicht die Realität. Zu manchen Regionen passt es, aber nicht zu allen. Im Senegal leben die Menschen genauso wie wir in normalen Häusern. Diese sind zwar nicht so luxuriös, aber es sind keine Holzhütten, wie es im Fernsehen immer aussieht. Und es sitzen auch keine nackten Kinder davor. Die meisten Leute müssen auch nicht hungern. In Senegal isst man gerne Reis mit Fisch oder Fleisch. Das Essen ist oft sehr gut gewürzt und scharf. Zum Frühstück gibt es genauso wie bei uns Brot.


Aber die Leute flüchten aus dem Senegal wegen der allgemeinen Unsicherheit. Es ist wirtschaftlich sehr schwer, dort für sein Leben zu sorgen. Zum Beispiel gibt es Leute, die studiert haben, dann aber trotzdem keine Arbeit finden. Nur wenn man gute Kontakte hat, kann man einen Job bekommen. Man hat fast keine Chance auf ein Leben mit einer Familie, wie es bei uns normal ist.
Dazu kommt politisch, dass der Süden unabhängig sein will, weshalb dort Krieg herrscht, in der Mitte ist es am gefährlichsten. Ein Problem für die Bauern besteht darin, dass oft Rebellen kommen und Tiere von ihnen klauen. Man kann aber nichts dagegen sagen, wenn du etwas sagst, wirst du einfach umgebracht. Der Präsident behauptet, dass es keine Krisen im Senegal gibt und dass man die Flüchtlinge wieder zurückschicken kann. Wer aber zurückgeschickt wird, hat dann noch weniger als davor.
Wir haben nach Unterschieden zwischen Deutschland und Senegal gefragt. Interessant ist, dass du dort selber entscheiden kannst, wie viel du kaufen willst. Man kann dort eine Zigarette kaufen statt eine ganze Schachtel, und da die Läden dauernd offen haben, kaufen die Menschen jeden Tag das ein, was sie für diesen Tag brauchen. Ein weiterer Unterschied ist, dass man auf der Straße immer von fremden Leuten angesprochen wird und diese mit dir reden, als würden sie dich schon ewig kennen. So kann man nicht einfach schnell wohin gehen, da man immer aufgehalten wird, weil irgendjemand mit einem reden will. Senegalesen sind sehr gesellig, im Konversationskreis geht es immer lebhaft zu.

Andrea Lindmair, 9D

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